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Wenn Pflanzen in Nachbars Garten ragen – Wer muss was entfernt und wer muss zahlen?

Wenn Pflanzen in Nachbars Garten ragen – Wer muss was entfernt und wer muss zahlen? © fpr - topopt
Ein immer währendes Streitthema unter Nachbarn: Darf man Nachbars Pflanzen, die über den Gartenzaun wachsen und unter Umständen noch das eigene Grundstück verschatten, einfach abschneiden? Wie viel Überwuchs muss man dulden? Und wer muss die Kosten für die Beseitigung der überwachsenden Pflanzen tragen?

Überwuchs darf auch bei Gefahr für Standfestigkeit entfernt werden

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 234/19) hat klargestellt, dass ein Nachbar auch dann von seinem Selbsthilferecht Gebrauch machen darf und überhängende Äste abschneiden darf, wenn dadurch die Standfestigkeit des Baumes gefährdet werden könnte. Auch das Landgericht Koblenz (Aktenzeichen 13 S 8/21) entschied, dass ein überhängender Walnussbaum gestutzt werden muss, wenn die Nachbarn das so vereinbart haben. Daran ändert auch nichts, dass der Rückschnitt zum Absterben des Baums führen kann.

Überwuchs eines geschützten Baumes muss geduldet werden

Äste die vom Nachbarn aufs eigene Grundstück ragen, dürfen nicht einfach abgeschnitten werden. Das musste etwa ein Grundstücksbesitzer erfahren, auf dessen Grundstück die Äste einer geschützten Rotbuche vom Nachbargrundstück rüber ragten. Diesen Überwuchs musste er dulden, da ein Abschneiden der Äste zur Schädigung des geschützten Baums führen würden, entschied das Landgericht Koblenz (Aktenzeichen: 6 S 162/06).

Rückschnitt des Überwuchs durch Nachbar erlaubt

Kommt ein Nachbar seiner Pflicht überhängende Äste zu beseitigen nicht nach, kann der davon beeinträchtigte Nachbar selbst zur Heckenschwere greifen, entschied das Oberlandesgericht Nürnberg (Aktenzeichen 12 U 2174/00). Voraussetzung ist, dass der Nachbar zum Rückschnitt aufgefordert wurde, aber untätig blieb.

Überwuchs von 4m muss entfernt werden

Überwachsende Äste von 4 Meter Ausmaß muss ein Nachbar nicht erdulden. Das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 33 S 26/08) urteilte, dass durch den Überwuchs von 18 Birken das Grundstück des Nachbarn erheblich durch Verschattung und herab fallendes Laub beeinträchtigt wird. Die Äste mussten entfernt werden.

Grundstückseigentümer muss Beseitigungskosten für Überwuchs tragen

Grundstückseigentümer sind verpflichtet, Pflanzen, die von ihrem Grundstück auf die öffentliche Straße ragen, zu entfernen. Kommen sie dieser Verpflichtung nicht nach und beauftragt die Straßenbaubehörde ein Unternehmen mit der Beseitigung des Überwuchs, muss der Grundstückseigentümer die Kosten dafür tragen. Dies entschied das Verwaltungsgericht Mainz (Aktenzeichen 3 K 363/17.MZ). Die Verpflichtung zur Beseitigung des Überwuchs ergibt sich aus dem Landesstraßengesetz.

Rückschnitt einer Hecke auf 2 m Höhe

Im Rahmen eines Nachbarschaftsstreit um den Rückschnitt von Kirschlorbeerhecken hat das Amtsgericht München (Aktenzeichen 155 C 6508/19) entschieden, dass Hecken an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn nach bayerischem Landesrecht nicht höher als zwei Meter sein dürfen und auf dieser Höhe gehalten werden müssen.

Kein Anspruch auf Rückschnitt bei eigener Verletzung der zulässigen Höhe

Ein Nachbar hat keinen Anspruch auf Rückschnitt einer Hecke oder Rückbau eines Zauns auf die gesetzlich zulässige Höhe, wenn er sich selbst nicht mit seinem Zaun und seiner Hecke an die gesetzlichen Höhenvorgaben hält, entschied das Landgericht Koblenz (Aktenzeichen 13 S 6/20).

Redaktion fachanwaltsuche.de

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