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Keine waffenrechtliche Erlaubnis für Reichsbürger?

Keine waffenrechtliche Erlaubnis für Reichsbürger? © mko - topopt
Muss ein mit der Reichbürgerbewegung sympathisierender Polizist aus dem Dienst entlassen werden? Darf bei einem Autofahrer, allein weil er zur Reichsbürgerbewegung gehört, ein psychiatrisches Gutachten über seine Fahreignung angefordert werden? Und sind Reichsbürger als waffenrechtlich unzuverlässig einzustufen? Diese Fragen wurden gerichtlich entschieden.

Was sind Reichsbürger?

Reichsbürger erkennen die Existenz und die Legitimation der Bundesrepublik Deutschland sowie ihre Gesetze und Regelungen nicht an und fühlen sich nicht an diese gebunden. Sie bezahlen kein Bußgeld oder Steuern und beflogen keine Behörden- oder Gerichtsentscheidungen. Für sie existiert Deutschland wie zu Zeiten des historischen Deutschen Reiches.

Keine waffenrechtliche Erlaubnis für Reichsbürger?

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen (Aktenzeichen 3 B 379/18) hält den Widerruf einer Waffenbesitzkarte eines mutmaßlichen Reichsbürgers im öffentlichen Interesse für gerechtfertigt. Auch wenn der Betroffene der Reichsbürgerbewegung nicht eindeutig zugeordnet werden könne, lasse sein Verhalten ein Gefährdungspotential erkennen, dass gegen den Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis spreche. Das OVG Koblenz hat ebenfalls entschieden, dass ein Reichsbürger seine Waffen abgeben muss. Eine waffenrechtliche Unzuverlässigkeit, die den Widerruf einer Waffenbesitzkarte rechtfertigt, sei immer dann anzunehmen, wenn eine Person über reine Sympathiebekundungen in Bezug auf die "Reichsbürgerbewegung" hinaus ausdrücklich oder konkludent zeigt, dass er sich nicht an die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland halten will. Auch das Verwaltungsgericht in Gießen (Aktenzeichen 9 L 9756/17.GI) hat entschieden, dass ein Mann allein wegen seiner Zugehörigkeit zur sog. Reichsbürgerbewegung nicht die notwendige Zuverlässigkeit für eine waffenrechtliche Erlaubnis besitzt. Nur Personen, die das Vertrauen verdienten mit Waffen ordnungsgemäß umzugehen, dürften auch eine waffenrechtliche Erlaubnis besitzen. Bei einem Reichsbürger habe man aufgrund seiner Ideologie die begründete Befürchtung, dass er sich nicht an das Waffengesetz der Bundesrepublik Deutschland halte. Anders entschied das Verwaltungsgericht Neustadt (Aktenzeichen 5 K 836/18.NW) im Fall eines Mediziners, der in einem Antrag auf Feststellung der deutschen Staatsangehörigkeit u.a. als Wohnsitz das „Königreich Bayern“ angab. Die Kommune entzog ihm daraufhin seinen Kleinen Waffenschein sowie seine Waffenbesitzkarte, weil sie den Mediziner der Reichsbürger-Szene zuordnet. Zu Unrecht, so das Verwaltungsgericht Neustadt. Es lägen keine Tatsachen vor, die seine waffenrechtliche Unzuverlässigkeit belegten. Auch könne man den Mann nicht allein aufgrund seiner Angaben im Antrag der Reichsbürger-Szene zuordnen. Dies zeige noch nicht, dass der Mann die Demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland nicht achte.

Sympathisierender Polizist wird aus dem Dienst entlassen

Ein Polizist, der sich mit der Reichsbürgerbewegung identifiziert, macht sich eines schweren Dienstvergehens schuldig und muss aus dem Dienst entfernt werden, entschied das Verwaltungsgericht Trier (Aktenzeichen 3 K 2486/18.TR). Der Polizist hatte in mehreren Schreiben an seinen Dienstherren zum Ausdruck gebracht, dass er die deutsche Verfassung nicht anerkenne. Seinen Dienstvorgesetzen bezeichnete er als Bandenführer und Polizeivorstand. Ein solches Verhalten mache den Polizeibeamten untragbar, entschied das Gericht. Der Kern seiner Arbeit bestehe schließlich darin, die freiheitliche und demokratische Grundordnung zu schützen und seinem Staat gegenüber loyal zu sein.

Psychologisches Gutachten bei Reichsbürger zur Fahreignung gerechtfertigt?

Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Mann mehrfach gegenüber Behörden mitgeteilt, dass er der Reichsbürgerbewegung angehöre und die in Deutschland geltenden Gesetze nicht anerkenne. Gegen Staatsmaßnahmen werde er sich notfalls auch mit Gewalt zur Wehr setzen. Die Stadt Freiburg verlangte daraufhin von ihm ein psychologisches Gutachten über seine Fahreignung. Als der Mann dies nicht beibrachte, entzog sie ihm die Fahrerlaubnis. Zu Unrecht, entschied das Verwaltungsgericht Freiburg (Aktenzeichen 4 K 4224/17). Abwegige und abstruse Äußerungen eines Querulanten seinen kein ausreichender Grund für die Annahme einer psychischen Störung. Die Stadt Freiburg habe keine konkreten nachvollziehbaren Gründe, die gegen eine Kraftfahreignung des Mannes sprechen, liefern können. Ein Gutachten über die psychische Gesundheit des Mannes sei damit nicht notwendig, so das Gericht.

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