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Flugausfall oder Verspätung - Ihre Rechte bei Flugreisen!

Flugausfall oder Verspätung - Ihre Rechte bei Flugreisen! © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Bei Flugreisen kommt es immer wieder zu Verspätungen und Ausfällen. Wichtig für alle Flugreisende: Ein Fluggast hat einen Anspruch auf Entschädigung, wenn sich sein Flieger verspätet oder ganz ausfällt. Dies regelt die europäische Fluggastrechteverordnung. Ob und wieviel Geld ein Fluggast zurückerhält, entscheidet in vielen Fällen das Gericht.

Erstattung für Pauschalreisende bei Flugannullierung nur vom Reiseveranstalter

Pauschalreisende haben bei einem annullierten Flug nur gegen ihren Reiseveranstalter Anspruch auf Erstattung ihrer Flugscheinkosten haben, nicht auch gegen die Fluggesellschaft. Dies entschied der Europäische Gerichtshof (Aktenzeichen C-163/18) mit der Begründung, dass es ansonsten zu einem nicht gerechtfertigten Übermaß an dem vom Gesetzgeber beabsichtigten Schutz der Fluggäste zu Lasten der Airline kommen würde. Schließlich seien Pauschalreisende bei einer Flugannullierung ausreichend durch die Richtlinie über Pauschalreisen geschützt und seien mit ihren Entschädigungsansprüchen in diesem Fall nicht zusätzlich vom Anwendungsbereich der Europäischen Fluggastverordnung umfasst.

Flugverspätung wegen Treibstoff auf Startbahn – keine Entschädigung

Für Fluggäste gibt es keine Entschädigung bei einer Flugverspätung wegen Treibstoffs auf Startbahn, entschied der Europäische Gerichtshof (Aktenzeichen C 159/18). Treibstoff auf der Startbahn und deren Schließung gehören nicht zur normalen Ausübung der Tätigkeit einer Airline, sondern stellen einen außergewöhnlichen Umstand dar. Die daraus resultierende Verspätung sei nicht zu vermeiden gewesen, selbst wenn die Airline alle personellen und materiellen Mittel und zumutbaren Maßnahmen eingesetzt hätte.

Verspätung des Zubringerfluges – Entschädigung

Verspätet sich ein Zubringerflug und verpasst ein Fluggast deshalb seinen Anschlussflug, muss der Zubringer dafür haften. Dies entschied das Amtsgericht Dresden (Aktenzeichen 105 C 1927/18) und stellte klar, dass wenn zwischen zwei Flügen planmäßig weniger als 60 Minuten, nach einer Verspätung nur noch 35 Minuten Umsteigzeit liegen, ein Planungsfehler des Zubringers liegt, für den er haftet.

Schraube auf Rollfeld – Keine Entschädigung

Ein durch eine Schraube auf dem Rollfeld beschädigter Flugzeugreifen stellt einen außergewöhnlichen Umstand dar, weshalb eine Airline keine Entschädigung nach der europäischen Fluggastrechteverordnung leisten muss. Dies entschied der Europäische Gerichtshof (Aktenzeichen Rs. C-501/17) und stellte klar, dass zwar das unerwartete Auftreten von Mängeln an einem Flugzeug grundsätzlich mit dessen Betrieb verbunden ist, die Einwirkung eines Fremdkörpers auf das Flugzeug aber nicht. Die Fluggesellschaft habe keinen Einfluss auf das Geschehen gehabt, da das Rollfeld in die organisatorische und technische Verantwortung des Flughafenbetreibers fällt.

Flug verpasst wegen langer Warteschlange am Check-In Schalter – Entschädigung!

Von einem Fluggast kann nicht die Kenntnis erwartet werden, dass er kurz vor seinem Abflug an der langen Warteschlange an einem Check-In Schalter vorbei gehen kann, um bevorzugt eingecheckt zu werden. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 154 C 2636/18) und sprach einem Urlauber Schadensersatz und einen Anspruch auf nutzlos verwandte Urlaubzeit zu. Die Airline hätte durch entsprechende Hinweise und Ausrufe die wartenden Fluggäste auf den bevorzugten Check-In hinweisen müssen.

Verpasster Rückflug – Anspruch auf Entschädigung?

Ein Flugreisender hat keinen Anspruch auf eine Entschädigungszahlung vom Reiseveranstalter, wenn er seinen Rückflug verpasst, obwohl der Reiseveranstalter ihn ausreichend über die Rückflugzeiten informiert hat. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 123 C 9082/18) und stellt klar, dass der Hinweis in einer Buchungsbestätigung: „Hinweis zur Rückflugbestätigung: Diese erfolgt durch ihre Reiseleitung. Bitte beachten Sie die Informationen in den Infomappen oder an den Infotafeln im Hotel bzw. kontaktieren Sie ihre Reiseleitung 1-2 Tage vor Rückflug" eine ausreichende Information zu den Rückflugzeiten beinhalte. Den Reisenden sei vor Ort ein Infoblatt von der Reiseleitung ausgehändigt worden, aus dem sich die Abholzeit zum Flughaften, wie auch die Abflugzeit ausdrücklich ergebe. Damit habe der Reiseveranstalter seine vertraglichen Pflichten erfüllt.

Infos über geänderte Flugzeiten mindestens zwei Wochen vor Abflug

Eine Airline muss ihre Kunden mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit über Änderungen im Hinblick auf die Flugzeiten informieren. Dies entschied das Amtsgericht Nürnberg (Aktenzeichen 19 C 7200/18) und stellte klar, dass es nicht genügt, wenn die neuen Flugzeiten auf der Homepage der Airline stehen. Der Kunde müsse persönlich über die Änderungen der Flugzeiten unterrichtet werden, ansonsten drohen der Fluglinie Schadensersatzzahlungen aufgrund der Fluggastrechteverordnung.

Flugausfall wegen Systemausfalls am Terminal – keine Entschädigung!

Verursacht ein Systemausfall am Abflugterminal eine stundenlange Verspätung beim Abflug begründet dies keinen Anspruch auf Entschädigungsleistungen für die Fluggäste. Das entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 15/18, X ZR 85/18) mit der Begründung, dass ein mehrstündiger Ausfall der Computersysteme an den Abfertigungsschalter eines Terminals ein außergewöhnlicher Umstand sei, den die Airline nicht zu vertreten habe. Hier sei der Flughafenbetreiber für die Flugverspätung zuständig, da ihm der Betrieb der technischen Einrichtung obliegt.

Ausgleichszahlung: Champagner beim Restaurantbesuch gehört dazu

Ist eine Fluggesellschaft aufgrund einer Flugannullierung zu Ausgleichszahlungen verpflichtet, gehören dazu auch die Kosten eines Restaurantbesuchs. Champagner und Dessertwein sind im Rahmen eines Essens durchaus angemessen, entschied das Amtsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 27 C 257/18) und verpflichtete die Fluggesellschaft zur Kostenübernahmen.

Wer zahlt die Mehrkosten für einen auf eigene Regie gebuchten Ersatzfluges?

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen X ZR 96/17) hat in einer Entscheidung einen Reiseveranstalter zum Ersatz der Mehrkosten eines an Stelle des gebuchten in eigener Regie durchgeführten Ersatzflugs verurteilt. Im zugrundeliegenden Fall hatte sich der Flug eines Urlaubers um 6,5 Stunden verspätet. Daraufhin buchte er ohne mit dem Reiseveranstalter Rücksprache gehalten zu haben, einen Ersatzflug. Diese Kosten machte er später beim Reiseveranstalter geltend. Der Bundesgerichtshof begründete seine Entscheidung mit einer Pflichtverletzung des Reiseveranstalters, weil dieser seine Vertragspartner nicht daraufhin gewiesen hatte, dass sie Mängel grundsätzlich zunächst anzeigen müssen. Dies führe dazu, dass der Reiseveranstalter sich nicht auf die fehlende Mangelanzeige berufen könne.

Gilt die Fluggastrechteverordnung nur für Airlines aus der EU?

Ein Fluggast hat nur dann die Möglichkeit seine Rechte aus der Fluggastrechteverordnung geltend zu machen, wenn die Fluggesellschaft in der Europäischen Gemeinschaft ansässig ist. Dies entschied aktuell das Amtsgericht München (Aktenzeichen 261 C 13238/ 16) im Fall von Fluggästen, die eine Hin- und Rückflug mit der Airline Air Berlin gebucht hatten. Vor Antritt des Rückflugs wurde die Airline jedoch gegen Etihad Airways ausgetauscht. Der Rückflug verspätete sich um rund 12 Stunden und das Gepäck verschwand, so dass die Fluggäste Ausgleichszahlungen nach der Fluggastrechteverordnung in Höhe von jeweils 600 Euro vom Reiseveranstalter forderten. Zu Unrecht, entschied das Münchner Amtsgericht und lehnte den Schadensersatzanspruch ab. Bei der Fluggesellschaft Etihad Airways handele es sich nicht um ein Luftfahrtunternehmen der Europäischen Gemeinschaft im Sinn von Art. 2 der Fluggastrechteverordnung. Daher sei die Verordnung nicht anwendbar. Darüber hinaus sei der Austausch der Fluggesellschaften nicht ursächlich für die Verspätung gewesen.

Wann hat man einen Anspruch auf einen Direktflug?

Ein Urlauber buchte eine Pauschalreise nach Dubai. Laut Reisebestätigung mit einem Hinflug Hamburg-Dubai und einem Rückflug Dubai-Hamburg. Zwei Wochen vor Reisebeginn erhielt er seine Flugtickets vom Reiseveranstalter auf denen bei beiden Flügen eine Zwischenlandung in Stuttgart vorgesehen war. Der Urlauber verlangte vom Reiseveranstalter die ursprünglich mitgeteilten Flüge. Als dieser nicht reagierte, stornierte der Urlauber und verlangte den Reisepreis erstattet. Dies sah das Amtsgericht Augsburg anders: Ein Urlauber könne von einer Reise zurücktreten, wenn die Reiseleistung sich erheblich ändert. Dies sei hier aber nicht der Fall. Der Direktflug sei vom Reiseveranstalter nicht vertraglich zugesagt worden. Die Änderung der Reisezeiten müssten vom Fluggast hingenommen werden.

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