Logo Fachanwaltssuche
Von Experten beraten.
Rechtsgebiet z.B. Arbeitsrecht
Ortz.B. Köln, 50968

Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz - Das sind Ihre Rechte!

Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz - Das sind Ihre Rechte! © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Ob bei Stellenanzeigen, Bewerberauswahl oder Kündigungen - In der Arbeitswelt werden Arbeitnehmer häufig aufgrund ihres Alters diskriminierend behandelt. Das kann für den Arbeitgeber zu empfindlich hohen Entschädigungszahlungen führen.

Ob bei Stellenanzeigen, Bewerberauswahl oder Kündigungen - In der Arbeitswelt werden Arbeitnehmer häufig aufgrund ihres Alters ungleich behandelt. Wir haben Ihnen interessante Urteile rund um das Thema „Altersdiskriminierung“ zusammengestellt …

Altersdiskriminierung bei der Kündigung

Die Kündigung einer Arbeitnehmerin ist auch in einem Kleinbetrieb nicht zulässig, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass es sich um eine altersdiskriminierende Kündigung handelt, und es dem Arbeitgeber auch nicht gelingt diese Indizien auszuräumen. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 6 AZR 457/14) im Fall einer 65 jährigen Arzthelferin, die mit vier jüngeren Kolleginnen in einer Arztpraxis beschäftigt war. Aufgrund einer Umstrukturierung der Arztpraxis wurde ihr offiziell gekündigt. Im Kündigungsschreiben führten die Arbeitgeber an, dass die Frau mittlerweile schließlich pensionsberechtigt sei. Die anderen Arzthelferinnen wurden nicht gekündigt. Daraufhin klagte die Frau gegen ihre Kündigung und verlangte von ihrem Ex-Arbeitgeber eine Entschädigungszahlung wegen Altersdiskriminierung. Mit Erfolg, entschied das Bundesarbeitsgericht letztinstanzlich. Die Kündigung sei unwirksam, weil sie gegen das arbeitsrechtliche Benachteiligungsverbot verstoße. Die Begründung in der Kündigung, dass die Arbeitnehmerin pensionsberechtigt sei, lasse auf eine Altersdiskriminierung schließen, die letztlich auch nicht vom Arbeitgeber widerlegt worden sei.

Altersdiskriminierung bei der Stellenbewerbung

Eine Altersdiskriminierung eines Bewerbers liegt etwa dann vor, wenn der Arbeitgeber eine Stellenanzeige für ein Traineeprogramm „Hochschulabsolventen/Young Professionells“ schaltet und einen 36 Jahre alten Bewerber mit Berufserfahrung ablehnt. In diesem Fall muss der Arbeitgeber beweisen, dass er nicht gegen das arbeitsrechtliche Benachteiligungsverbot verstoßen hat. So lautet eine weitere Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Aktenzeichen 8 AZR 429/11, die es wie folgt begründet: Eine Stellenausschreibung, die sich an Hochschulabsolventen/Young Professionells und an Berufsanfänger richtet, reicht als Anzeichen für eine altersbedingte Ungleichbehandlung des Bewerbers. Hätte der Arbeitgeber nur aufgrund der Examensnoten seine Bewerberauswahl getroffen, läge keine Altersdiskriminierung des Bewerbers vor. In einer weiteren Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Aktenzeichen 8 AZR 530/09) wird klar gestellt, dass eine Stellenanzeige immer gegen das arbeitsrechtliche Benachteiligungsverbot wegen des Alters verstößt, wenn ausdrücklich „junge“ Bewerber gesucht werden. Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Nürnberg (Aktenzeichen 2 Sa 1/20) stellt eine Stellenanzeige, in der das Arbeitsteam als "junges, hoch motiviertes Team" bezeichnet wird, eine Diskriminierung wegen Alters dar. Ältere Bewerber können eine Entschädigung von zwei Monatsgehältern beanspruchen. Legt eine Bewerbung eines Rentners auf eine Stelle als "Fachanleiter aus den Bereichen Küche/Hauswirtschaft/Nähen" den Eindruck nahe, dass sie nur erfolgte um eine Entschädigung wegen Altersdiskriminierung zu erhalten, ist dies rechtsmissbräuchlich. Dies entschied das Arbeitsgericht Siegburg (Aktenzeichen 5 Ca 1201/19) im Fall eines älteren Bewerbers, der keinerlei Qualifikationen für diese Arbeitsstelle aufwies und auch keine Motivation für seine Bewerbung erkennen ließ, sondern nur Forderungen an das Unternehmen stellte.

Altersdiskriminierung bei der betrieblichen Altersversorgung

Der Ausschluss von der betrieblichen Altersversorgung für Arbeitnehmer, die bei Beginn ihres Arbeitsverhältnisses bereits 55. Jahre alt sind, ist nach einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Aktenzeichen 3 AZR 147/21) zulässig. Diese Altersgrenze stellt keine ungerechtfertigte Benachteiligung der Arbeitnehmer dar.

Altersdiskriminierung bei Aufhebungsverträgen

Ein Arbeitgeber, der Personal abbauen will und dafür seinen Mitarbeitern Aufhebungsverträge gegen Abfindung anbietet, verstößt nicht gegen das Altersdiskriminierungsverbot, wenn er einem 55 Jahre alten Arbeitnehmer diese Option nicht offeriert. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 6 AZR 911/08) und begründet seine Entscheidung wie folgt: Es fehle an einer Benachteiligung, da den älteren Mitarbeitern der Arbeitsplatz erhalten bliebe.

Redaktion fachanwaltsuche.de

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Eigene Bewertung abgeben:
Bisher abgegebene Bewertungen:
4.0 / 5 (5 Bewertungen)
Das könnte Sie interessieren
Wissen Aktuell , 23.03.2018
Älteren Menschen passiert es oft, dass sie etwa bei den Bezahlmöglichkeiten einer Online-Bestellung die Zahlungsoption „Teilzahlung in Raten“ aufgrund ihrer Altersangabe nicht wählen können. Ob dies ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz darstellt, entschied das Amtsgericht München in einem aktuellen Fall.
Arbeitsrecht , 26.11.2015 (Update 21.02.2019)
Beim Urlaub, der Kündigung und auch beim Gehalt - Ältere Arbeitnehmer erfahren in unterschiedlichsten Bereichen ihres Arbeitslebens Diskriminierungen und werden längst nicht immer dafür entschädigt. Ein Gericht hat jetzt entschieden, dass ein Anspruch auf Entschädigung wegen altersdiskriminierender Besoldung entfällt, wenn der Anspruchsteller nicht den Nachweis eines fristgerechten Zugangs seines Widerspruchs erbringen kann.
4.0 / 5 (3 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 23.07.2012
Rechtsanwalt Rechtsanwälte Bender & Ruppel Rechtsanwälte Bender & Ruppel
Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Dieser verbietet es "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". Bevor der Arbeitgeber zu dem denkbar einschneidensten arbeitsrechtlichen Mittel der Kündigung greift, muss er demnach zuvor den Arbeitnehmer erfolglos abgemahnt haben. Doch nicht selten sind die Abmahnungen nicht begründet und der Arbeitnehmer fragt sich nach Erhalt, was er dagegen machen kann.
3.0 / 5 (3 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 18.06.2015 (Update 02.09.2022)
Arbeitnehmer haben nach dem Bundesurlaubsgesetz einen Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr. Wurden im Arbeitsvertrag noch mehr Urlaubstage zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart, erhöht sich der Urlaubsanspruch des Arbeitnehmers entsprechend. Gibt es Gründe, warum der Chef den Erholungsurlaub kürzen oder verweigern darf?
3.8 / 5 (134 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 09.05.2018 (Update 02.08.2022)
Eltern haben in Deutschland nach der Geburt ihres Kindes die Möglichkeit drei Jahre Elternzeit im Job zu nehmen. Wie muss der Antrag auf Elternzeit gestellt werden? Gibt es eine Frist? Und darf der Arbeitgeber den gesetzlichen Urlaubsanspruch aus der Elternzeit kürzen?
4.2 / 5 (4 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 05.02.2018 (Update 20.07.2020)
Am Ende eines jeden Arbeitsverhältnisses steht in der Regel das Arbeitszeugnis. Hier gilt es für Arbeitnehmer genauer hinzuschauen: Formfehler oder verschlüsselte negative Formulierungen vom Arbeitgeber können das Aus bei der nächsten Bewerbung bedeuten.
4.3 / 5 (6 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 31.05.2012
Rechtsanwalt Rechtsanwälte Bender & Ruppel Rechtsanwälte Bender & Ruppel
Die Deutschen vereisen zwar gerne und häufig, aber in Sachen Urlaubsregelung und Urlaubsanspruch existieren bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern noch immer viele Fehleinschätzungen.
2.6 / 5 (5 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 03.03.2018 (Update 26.10.2022)
Seit 2015 gilt in Deutschland das Mindestlohngesetz, welches Arbeitnehmern eine gesetzliche Lohnuntergrenze garantiert. Seit dem 1. Oktober 2022 wurden der Mindestlohn auf 12 Euro angehoben.
3.4 / 5 (5 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 29.03.2016
In einem Arbeitszeugnis steht schwarz auf weiß, wie der Arbeitgeber letztlich die Leistungen eines Mitarbeiters gesehen hat. Das Bundesarbeitsgericht hatte zu entscheiden, ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer beweisen muss, welche Leistungsnote gerechtfertigt ist - mit überraschendem Ergebnis.
4.0 / 5 (2 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 16.08.2018 (Update 18.01.2023)
Bei der Suche nach einem Job und auch im bestehenden Arbeitsverhältnis schauen Arbeitgeber in der Regel auch auf das äußere Erscheinungsbild des Arbeitnehmers. Bei Tattoos und Piercings ist die Toleranz des Arbeitgebers oft zu Ende. Sind Tattoos, Percings und Gelnägel im Job erlaubt? Und wann kann der Arbeitgeber wegen eines Tattoos kündigen?
3.4 / 5 (47 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 07.12.2018 (Update 23.11.2022)
Bei Weihnachtsfeiern im Unternehmen lässt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern in der Regel Geschenke zu kommen. Haben nicht anwesende Arbeitnehmer auch einen Anspruch auf das Geschenk? Und sind die Geschenke lohnsteuerpflichtig?
2.5 / 5 (4 Bewertungen)
Suchen in Rechsbeiträgen
Teilnehmer
Fachanwalt Ralph Zimmermann
Rechtsanwalt und Notar
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Hinschweg 3
27607 Langen
Fachanwalt Dr. Christian Keller
Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Notar
Immermannstrasse 11
40210 Düsseldorf
Fachanwalt Michael Regal
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Rimbachstraße 19
98527 Suhl
Fachanwältin Annett Seifert
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Erbrecht
Dr.-Friedrichs-Ring 10
08056 Zwickau
Fachanwalt Heiko Schuster
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Weststraße 60
08523 Plauen
Fachanwalt Hans-Jörg Hiller
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Hengersberger Straße 23
94469 Deggendorf
Fachanwältin Kathrin Völker
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Am Echazufer 24
72764 Reutlingen
Fachanwältin Andrea Westermann
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Tiergartenstraße 28 a
47533 Kleve
Fachanwältin Reina Gronewold
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Wallstraße 3
26409 Wittmund
Fachanwalt Christoph Schulz
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Otto-Hirsch-Brücken 17
70329 Stuttgart
Fachanwalt Dr. Götz Philipp
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Elisabethstraße 16
40217 Düsseldorf
Fachanwältin Ruth Ebeling
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht
Vaalser Straße 142
52074 Aachen
Fachanwältin Ilka Busche
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Kirchstraße 2
53797 Lohmar
Fachanwalt Arnd Leser
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Malerstraße 17
01326 Dresden
Fachanwalt Dr. Ilkka-Peter Ahlborn
Rechtsanwalt & Notar
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Westerfeldstraße 1-3
33611 Bielefeld
Fachanwalt Max Mustermann
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Heinrich-Nicolaus-Straße 22
85221 Dachau