Logo Fachanwaltssuche
Von Experten beraten.
Rechtsgebiet z.B. Arbeitsrecht
Ortz.B. Köln, 50968

Arbeitszeugnis: nur wohlwollend, wenn es auch wahr ist

In einem Arbeitszeugnis steht schwarz auf weiß, wie der Arbeitgeber letztlich die Leistungen eines Mitarbeiters gesehen hat. Das Bundesarbeitsgericht hatte zu entscheiden, ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer beweisen muss, welche Leistungsnote gerechtfertigt ist - mit überraschendem Ergebnis.

Zeugniscode Arbeitszeugnis : Dilemma für den Arbeitgeber

Man kann darüber streiten, ob die Formulierung im Arbeitszeugnis noch den Stellenwert von früher hat. Fakt ist: Über Jahrzehnte hinweg hat sich so etwas wie ein Zeugniscode im Arbeitszeugnis entwickelt. Demnach ist die Note 1 "stets zur vollsten Zufriedenheit", die Note 2 "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" und die Note 3 "zu unserer vollen Zufriedenheit". Fakt ist auch: Der Arbeitgeber steckt oftmals im Dilemma. Das Zeugnis soll einerseits wahr, andererseits "wohlwollend" formuliert sein. Für welche Note soll man sich letztlich entscheiden? Auch lassen viele Chefs das Arbeitszeugnis vom Arbeitnehmer selbst erstellen. Dementsprechend überaus positiv sind viele Zeugnisse geschrieben. Im Streit mit einem Arbeitgeber versuchte eine Angestellte unter anderem mit Hilfe von Studien, nach denen fast 90 Prozent der Zeugnisse entweder die Note 1 oder 2 aufwiesen eine bessere Beurteilung zu erhalten. Das Bundesarbeitsgericht sah das anders.

Laut Richter muss Arbeitnehmer bessere Leistungsbeurteilung beweisen

Der Fall: Der Arbeitgeber hatte der Mitarbeiterin nach Ende des Arbeitsverhältnisses ein Arbeitszeugnis ausgestellt. Der Arbeitgeber vergab darin praktisch die Note 3 (zur vollen Zufriedenheit). Die Frau plädierte auf die Note 2, also "stets zur vollen Zufriedenheit". Die Arbeitsrichter stellten klar: Möchte ein Arbeitnehmer eine bessere Beurteilung im Arbeitszeugnis erreichen, muss dieser im Streit entsprechende Leistungen vorbringen und gegebenenfalls die bessere Leistung beweisen. Ob die meisten Zeugnisse die Note 1 oder 2 aufweisen oder nicht, ist dabei für die Richter irrelevant. Für die Arbeitsrichter ist aus den Studien auch nicht ersichtlich, wie viele Gefälligkeitszeugnisse oder von Arbeitnehmern selbst verfasste Arbeitszeugnisse inbegriffen sind. Zudem muss ein Zeugnis auch nicht per se wohlwollend, sondern nur im Rahmen wahrer Aussagen wohlwollend formuliert sein, so das Urteil.

Konsequenz für die Praxis

Ob die Leistungsnachweise der Mitarbeiterin im vorliegenden Fall für eine bessere Beurteilung ausreichen, hatte das Bundesarbeitsgericht nicht zu entscheiden. Trotzdem ist das Urteil zukunftsweisend. Es stellt sich klar gegen die sukzessive Entwertung von Arbeitszeugnissen. Außerdem räumt sie dem Arbeitgeber einen größeren Entscheidungsspielraum bei der Beurteilung von Arbeitnehmern ein. Kurz: Wohlwollend "ja", aber nur wenn es auch wahr ist. (Urteil: Aktenzeichen 9 AZR 584/13)

Redaktion: Fachanwaltsuche

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Eigene Bewertung abgeben:
Bisher abgegebene Bewertungen:
4.0 / 5 (1 Bewertungen)
Das könnte Sie interessieren
Arbeitsrecht , 23.07.2012
Rechtsanwalt Rechtsanwälte Bender & Ruppel Rechtsanwälte Bender & Ruppel
Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Dieser verbietet es "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". Bevor der Arbeitgeber zu dem denkbar einschneidensten arbeitsrechtlichen Mittel der Kündigung greift, muss er demnach zuvor den Arbeitnehmer erfolglos abgemahnt haben. Doch nicht selten sind die Abmahnungen nicht begründet und der Arbeitnehmer fragt sich nach Erhalt, was er dagegen machen kann.
Arbeitsrecht , 05.02.2018 (Update 05.02.2018)
Was muss beim Arbeitszeugnis beachtet werden? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Am Ende eines jeden Arbeitsverhältnisses steht in der Regel das Arbeitszeugnis. Hier gilt es für Arbeitnehmer genauer hinzuschauen: Formfehler oder verschlüsselte negative Formulierungen vom Arbeitgeber können das Aus bei der nächsten Bewerbung bedeuten.
4.666666666666667 / 5 (3 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 31.05.2012
Rechtsanwalt Rechtsanwälte Bender & Ruppel Rechtsanwälte Bender & Ruppel
Die Deutschen vereisen zwar gerne und häufig, aber in Sachen Urlaubsregelung und Urlaubsanspruch existieren bei Arbeitnehmern und Arbeitgebern noch immer viele Fehleinschätzungen.
2.0 / 5 (1 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 18.08.2015
Ob bei Stellenanzeigen, Bewerberauswahl oder Kündigungen - In der Arbeitswelt werden Arbeitnehmer häufig aufgrund ihres Alters ungleich behandelt.
5.0 / 5 (1 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 21.03.2018 (Update 12.09.2017)
Sind Hunde am Arbeitsplatz erlaubt? © topopt
Hunde am Arbeitsplatz spalten die Bürogemeinschaft: Für die einen bedeuten Hunde am Arbeitsplatz eine Verbesserung des Betriebsklimas – die anderen sind genervt vom Kläffen und Hundegeruch. Haben Mitarbeiter einen Anspruch darauf ihren Hund mit zur Arbeit zu bringen, oder kann der Chef den Hund verbieten?
4.857142857142857 / 5 (7 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 11.03.2016
Arbeitgeber müssen bei der Überwachung ihrer Mitarbeiter vorsichtig sein: Videoaufnahmen oder gar eine Überwachung durch einen Detektiv sind nur unter sehr engen Voraussetzungen rechtmäßig.
Arbeitsrecht , 19.11.2015
Im November können sich viele Arbeitnehmer über eine Sonderzahlung auf dem Gehaltsscheck freuen: das Weihnachtsgeld wird ausgezahlt.
Arbeitsrecht , 30.09.2016
Wird der Server eines Unternehmens aufgrund eines Virusbefalls lahm gelegt, muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer beweisen, dass dieser dafür verantwortlich ist, ansonsten kann er keinen Schadensersatz vom Arbeitnehmer verlangen.
Sozialrecht , 28.08.2018 (Update 28.08.2018)
Unfälle auf dem Arbeitsweg – Wann zahlt die Versicherung? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Unfälle die auf dem Weg zur Arbeit und zurück geschehen sind nur unter bestimmten Voraussetzungen vom Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst.
3.6666666666666665 / 5 (3 Bewertungen)
Arbeitsrecht , 13.01.2017
„Das kommt in ihre Personalakte“ – Salopper Spruch oder ernsthafte Drohung, in jedem Fall ein Satz der Arbeitnehmer aufhorchen lässt. Für Arbeitnehmer ist es wichtig zu wissen, was in die sogenannte Personalakte darf und was nicht – und welche Rechte ihm im Bezug auf seine Personalakte zu stehen.
Arbeitsrecht , 11.03.2013
Rechtsanwalt Stephan Barber Rechtsanwälte Barber & Hellmers GbR
Das Bundesarbeitsgericht hat mit seinem jüngst veröffentlichten Urteil vom 21.08.2012 (AZ: 3 AZR 698/10) die inhaltlichen Anforderungen für sogenannte "Rückzahlungsklauseln" drastisch verschärft. Die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bislang getroffenen Fortbildungsvereinbarungen dürften danach heute überwiegend unwirksam sein. Einen Bestandsschutz gibt es insoweit nicht.
Suchen in Rechsbeiträgen
Teilnehmer
Fachanwalt Lars Nitzsche
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Schulstraße 60
77694 Kehl
Fachanwalt Max Mustermann
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Mohrenstraße 34
10117 Berlin
Fachanwalt Daniel Creutzburg
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Knaackstraße 22
10405 Berlin
Fachanwalt Martin Graner
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Kantstraße 21
10623 Berlin
Fachanwalt Dr. Mathias Lorenz
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Sozialrecht
Homberger Str. 31
47441 Moers
Fachanwalt Mathias Thiel
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Uelleber Straße 5
99867 Gotha
Fachanwalt Reinhold Dotterweich
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Sozialrecht
Hussenstrasse 19
78462 Konstanz
Fachanwalt Dietmar Schoßland
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Rödelheimer Straße 44
65760 Eschborn
Fachanwalt Rainer Gromes
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Elisabethenstraße 29
64283 Darmstadt
Fachanwalt Peter Scheffer
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Holser Straße 20
32257 Bünde
Fachanwältin Jutta Zimmer-Kappes
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Verwaltungsrecht
Mauritiusstraße 9
65183 Wiesbaden
Fachanwalt Manfred Mürmann
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Steuerrecht
Oststraße 15
50996 Köln
Fachanwältin Renate Ostner
Fachanwältin
für Familienrecht
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Freiligrathstraße 5
90482 Nürnberg
Fachanwalt Stephan Pache
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Kaiserstr. 30
90763 Fürth
Fachanwalt Thorsten Springstub
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Jonny-Schehr-Straße 1
99085 Erfurt
Fachanwältin Birgitta Schmale
Fachanwältin für Arbeitsrechtsrecht
Kriegsstr. 45
76133 Karlsruhe

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung