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Berufskrankheiten: Wann muss die gesetzliche Unfallversicherung zahlen?

Berufskrankheiten: Wann muss die gesetzliche Unfallversicherung zahlen? © mko - topopt
Eine Berufskrankheit liegt vor, wenn eine Erkrankung ihren Ursprung im Arbeitsumfeld hat. Das können Krankheiten wie Allergien, Erkrankungen der Wirbelsäule, psychische Leiden bis hin zu Krebserkrankungen sein. Bei einer Berufskrankheit muss dann die gesetzliche Unfallversicherung für die Folgen der Erkrankung aufkommen. Ob sich bei einer Erkrankung allerdings um eine Berufskrankheit handelt, muss in vielen Fällen vom Gericht entschieden werden.

Harnblasenkrebs eines Arbeiters in der Gummiindustrie muss als Berufskrankheit anerkannt werden

Eine Harnblasenkrebserkrankung ist bei einem Arbeiter in der Gummiindustrie als Berufskrankheit zu entschädigen, selbst wenn der Mann zusätzlich geraucht hat. Dies entschied aktuell das Landessozialgericht Hessen (Aktenzeichen L 3 U 129/13) und begründete seine Entscheidung mit der Erkenntnis, dass der Zigarettenkonsum des Mannes nicht das überragende Erkrankungsrisiko darstellte. Der Arbeiter habe jahrelang mit dem Gefahrstoff 2-Naphthylamin gearbeitet, von dem eine hohes Krebserkrankungsrisiko ausgehe. Diese berufliche Gefahrenexposition führe in diesem Fall zur Anerkennung einer Berufskrankheit.

Harnblasenkrebs eines Chemiefachwerkers - Berufskrankheit

Eine durch das aromatische Amin p-Chloranilin verursachte Krebserkrankung der Harnwege bei einem Chemiefachwerker ist laut Hessischen Landessozialgericht (Aktenzeichen AZ L 3 U 9/13) eine Berufskrankheit. Die Sozialrichter stellten klar, dass nach dem gegenwärtigen Wissenschaftsstand für die Anerkennung einer Berufskrankheit von der Berufsgenossenschaft keine Mindestdosis von p-Chloranilin gefordert werden könne. Das der Chemiefachwerker über viele Jahre im Rahmen seiner Berufstätigkeit mit dem Gefahrstoff p-Chloranilin in Berührung gekommen sei, könne man davon ausgehen, dass sein Harnblasenkrebs dadurch verursacht wurde.

Atemwegserkrankung eines Karosseriemeisters - Berufskrankheit

Eine obstruktive Atemswegserkrankung eines Karosserie- und Fahrzeugmeister, der während seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit Lösungsmitteldämpfen, Motorenabgasen und Staub ausgesetzt war, ist nach einer Entscheidung des Hessischen Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 59/13) als Berufskrankheit anzuerkennen. Im Rahmen des Gerichtsverfahrens wurde aufgrund eines Sachverständigengutachtens festgestellt, dass der Mann fast zwanzig Jahre chemisch-irritativen oder toxisch wirkenden Stoffen ausgesetzt war, die nur knapp unter der maximalen Arbeitsplatzkonzentration in der Luft lagen. Der Mann trug während seiner Arbeit keinen Atemschutz und es bestand auch keine Luftabsaugung. Die Gefahrstoffexposition sei daher kausal für die Atemwegserkrankung des Mannes.

Psychische Erkrankung aufgrund von Stress – keine Berufskrankheit!

Damit eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann, muss nicht nur durch eine berufliche Tätigkeit verursacht worden sein, sondern muss auch in der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt sein. Eine schwere Depressionen und Neurasthenie wird nicht als Berufskrankheit anerkannt, auch wenn sie aufgrund von Stress um Job verursacht wurden, weil sie nicht in der Liste der Berufskrankheiten verzeichnet sind. Dies entschied jüngst das Bayerische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 233/15 ) und führt aus, dass bei diesen Erkrankungen auch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorlägen, das sie als sog. Wie-Berufskrankheiten entschädigt werden müssen.

Unklare Ursache einer Legionellen-Erkrankung – keine Berufskrankheit

Eine Legionellen-Infektion wird nur dann als Berufskrankheit anerkannt, wenn der versicherten beruflichen Tätigkeit eine abstrakte Gefahr innewohnte und sich diese realisiert hat. Das Duschen im Hotel während einer auswärtigen beruflichen Tätigkeit steht nicht unter dem Schutz der beruflichen Unfallversicherung, stellt das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen L 3 U 4168/17) in einem aktuellen Urteil klar. Im zu entscheidenden Fall konnte nicht eindeutig geklärt werden, wo die Legionellen-Infektion des Arbeitnehmers her kam. Seine Witwe erhielt daher keine Hinterbliebenenleistungen.

Lungenkrebs bei einem Schlosser- keine Berufskrankheit!

Bei einem Schlosser, der während seiner langjährigen Berufstätigkeit zu einem Drittel seiner Arbeitszeit als Schweißer arbeitete, und mit 60 Jahren an Lungenkrebs starb, lehnte das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 9 U 30/12 ZVW) allerdings die Anerkennung einer Berufskrankheit ab. Die Lungenkrebserkrankung sei nicht durch die Schadstoffexposition verursacht worden, sondern im Wesentlichen dadurch entstanden, dass der Mann mehr als 30 Jahre geraucht habe.

Redaktion fachanwaltsuche.de

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