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Behandlungsfehler – Wann haftet der Arzt?

Behandlungsfehler – Wann haftet der Arzt? Arzte führen mit Lupen eine Operation durch © freepik
Rund 3.400 Behandlungsfehler verursachten Ärzte einer aktuellen Statistik zur Folge im vergangenen Jahr in Deutschland. In vielen Fällen müssen letztlich Gerichte entscheiden, ob eine Arzthaftung in Frage kommt. Das Landgericht Köln hat jüngst entschieden, dass ein Arzt, der als Gerichtsgutachter tätig ist, nicht für eine übersehene Krankheit einer Patientin haftet.

250.000 Euro Schmerzensgeld für Hirnschädigung eines Säuglings

Wurde bei einem Säugling aufgrund eines ärztlichen Behandlungsfehlers zu spät eine Sectio durchgeführt und erlitt das Kind dadurch eine Hirnschädigung, steht ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 250.000 Euro zu, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 88/16).

Hirnstamminfarkt zu spät diagnostiziert – 50.000 Euro Schmerzensgeld

50.000 Euro Schmerzensgeld sprach das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 3 U 122/12) den Erben einer Patientin zu, bei der ein Hirnstamminfarkt vom behandelnden Chefarzt zu spät diagnostiziert wurde. Der Arzt hatte es versäumt einen Neurologen zur Beurteilung der CT-Aufnahmen hinzu zu ziehen.

800.000 Euro Schmerzensgeld für Behandlungsfehler bei fünfjährigem Jungen

Das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 5 U 196/18) verurteilte ein Krankenhaus zur Zahlung von 800.000 Euro Schmerzensgeld an einen kleinen Jungen, der mit Fieber und Schüttelfrost ins Krankenhaus eingeliefert wurde und bei dem ein Krankenpfleger keinen Arzt verständigte, obwohl das Kind schwarze Flecken am ganzen Körper entwickelte. Bei dem Jungen wurde eine lebensgefährliche Blutvergiftung deshalb nicht erkannt. Ihm wurden beide Unterschenkel amputiert.

Darmspiegelung unterlassen – Arzt haftet auf Schmerzensgeld

Ein Arzt, der bei einem Patienten trotz heftiger Blutungen aus dem Anus keine Darmspiegelung veranlasste, haftet auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, wenn sich später eine Darmkrebserkrankung beim Patienten herausstellt. Dies entschied das Oberlandesgericht Braunschweig (Aktenzeichen 9 U 129/15) und verurteilte den Arzt im konkreten Fall zu einer rund 70.000 Euro hohen Schmerzensgeldzahlung.

800.000 Euro Schadensersatz wegen Hirnschädigung bei OP

Die Betreiber eines Krankenhauses müssen einem Patienten rund 800.000 Euro Schadensersatz zahlen, weil das Gehirn des Mannes während einer Operation geschädigt wurde, weil die Sauerstoffversorgung nicht ausreichend war. Entscheidend für diese Hohe Schadensersatzzahlung war der Grad der Hirnschädigung sowie das junge Alter des Patienten.

Arzthaftung wegen unterlassener Darmspiegelung

Ein Arzt, der bei einer Patientin trotz heftiger Blutungen aus dem Anus keine Darmspiegelung anordnete und nur Hämorrhoiden und eine Analfissur diagnostizierte, haftet für den dadurch nicht erkannten Darmkrebs auf Schmerzensgeld in Höhe von rund 70.000 Euro. Dies entschied das Oberlandesgericht Braunschweig (Aktenzeichen 9 U 129/15). Bei der Patientin wurde später aufgrund einer anderen Untersuchung Darmkrebs festgestellt, der bereits Metastasen in der Leber gebildet hatte.

Fehlerhafte intramuskuläre Injektion – Arzthaftung!

Ein Patient, dem wegen Rückenbeschwerden in einer Woche viermal die Präparate Solu-Decortin und Diclofenac gespritzt wurden, erhält 500.000 Euro Schmerzensgeld vom behandelnden Arzt, weil er aufgrund dieser Behandlung kollapierte und weitgehend gelähmt blieb. Dies entschied das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 1 U 71/17).

Vergessene OP-Nadel im Bauch – Schmerzensgeld!

Wurde aufgrund einer unterbliebenen Zählkontrolle nach einer Operation eine Nadel im Bauchraum bei einer Patientin übersehen, steht der Frau Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro zu. Dies entschied das Oberlandesgericht Stuttgart (Aktenzeichen 1 U 145/17) und stellt klar, dass Ärzte alle zumutbaren Sicherungsvorkehrungen treffen müssen, um ein unbeabsichtigtes Zurücklassen eines OP-Instruments im Operationsgebiet zu vermeiden. Dazu gehört auf jeden Fall die Überprüfung der OP-Instrumente auf Vollständigkeit.

Verzögerte Tumorbehandlung – Arzt haftet auf Schmerzensgeld

15.000 Euro Schmerzensgeld erhielt eine Patientin von ihrem behandelnden Arzt, weil ein Fehler bei der Befunderhebung zu einer verzögerter Tumorbehandlung geführt hatte. So lautet die Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 3 U 166/13). Die Patientin verspürte Schmerzen im rechten Bein. Der Arzt diagnostizierte unter anderem einen Kiefergelenkschaden und ein HWS-Syndrom. Da die Beschwerden der Frau nicht besser wurden, veranlasste der Arzt nach zwei Jahren eine kernspintomografische Untersuchung. Diese ließ die Tumorerkrankung der Patientin erkennen. Die Frau wurde operiert. Ihr blieben nach der Operation dauerhafte Fuß- und Großzehenheberschwächen. Das Oberlandesgericht Hamm sprach der Patientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 15.000 Euro zu. Der Arzt habe bei seiner Befunderhebung fehlerhaft gehandelt. Er hätte bei der Patientin bereits zu diesem Zeitpunkt eine kernspintomografische Untersuchung veranlassen müssen. Aufgrund seines Versäumnisses ist der Tumor gewachsen und konnte nicht mehr ohne Folgen operativ entfernt werden. Daher liege ein Fall der Arzthaftung vor, so die Hammer Richter.

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