Logo Fachanwaltssuche
Von Experten beraten.
Rechtsgebiet z.B. Arbeitsrecht
Ortz.B. Köln, 50968

Aufklärung über die Behandlungsalternative einer Sectio (Kaiserschnitt)

Gibt es mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten muss der Behandler sowohl über die Risiken als auch über Alternativen des Eingriffs aufklären.

Der Behandler muss über die Risiken eines Eingriffs aufklären (s.g. Risikoaufklärung). Eine Aufklärung über die von ihm gewählte Behandlungsmethode schuldet er in der Regel aber nicht – die Wahl der Behandlungsmethode ist primär Sache des - insoweit ja auch qualifizierten - Arztes. Etwas anderes gilt aber dann, wenn für eine medizinisch sinnvolle und indizierte Therapie mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die zu jeweils unterschiedlichen Belastungen des Patienten führen oder unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bieten. Der Arzt hat dann nicht allein und ohne Einbeziehung des Patienten über die Behandlungsmethode zu entscheiden. Er muss den Patienten vielmehr mit einbeziehen und vor die Wahl stellen. In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 20.08.2018 wurde eine werdende Mutter von dem geburtsleitenden Arzt nicht rechtzeitig über die Behandlungsalternative einer Schnittentbindung aufgeklärt. Es erfolgte lediglich eine Aufklärung über eine „eilige Sectio“, also einen Notkaiserschnitt, und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem sich der Geburtsverlauf bereits erheblich verzögert dargestellt hatte und ernsthafte Schäden für das Neugeborene drohten bzw. bereits absehbar waren. Der Bundesgerichtshof hat herausgearbeitet, dass der geburtsleitende Arzt in einer normalen Entbindungssituation, in der die Schnittentbindung medizinisch nicht indiziert und deshalb auch keine „echte Alternative“ zur vaginalen Geburt darstellt, ohne besondere Veranlassung die Möglichkeit einer Schnittentbindung nicht ansprechen muss. Wenn aber für den Fall, dass die Geburt vaginal erfolgt, ernstzunehmende Gefahren drohen und daher im Interesse des Kindes und auch der werdenden Mutter gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen, dann stellt die Sectio eine medizinisch verantwortbare Alternative dar. Der Arzt muss in einer solchen Situation die werdende Mutter über die für sie und das Kind bestehenden Risiken sowie über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Entbindungsmethoden aufklären und sich ihrer Einwilligung für die Art der Entbindung versichern. Vom Bundesgerichtshof wurde weiter ausgeführt, dass eine solche Aufklärung auch rechtzeitig zu erfolgen hat, und zwar bereits dann, wenn aufgrund konkreter Umstände die ernsthafte Möglichkeit besteht, dass im weiteren Verlauf eine Konstellation eintreten könnte, die als relative Indikation für eine Schnittentbindung zu werten ist. Gerade weil eine Schwangere im weiteren Verlauf einer Entbindung häufig nicht mehr Herrin ihrer Sinne ist, ist nach Auffassung des Bundesgerichtshofs eine - vorgezogene - Aufklärung über die unterschiedlichen Risiken und Vorteile der verschiedenen Entbindungsmethoden daher bereits dann erforderlich, wenn deutliche Anzeichen dafür bestehen, dass sich der Geburtsvorgang so entwickeln könnte, dass die Schnittentbindung zu einer echten Alternative zur vaginalen Entbindung wird. In dem vom Bundegerichtshof entschiedenen Fall kam der nicht rechtzeitigen Aufklärung insbesondere deshalb Bedeutung zu, weil eine gebotene vorgezogene Aufklärung zu einer schadenshindernden oder schadensmindernden Zeitersparnis hätte führen können.

Dollinger Partnerschaft Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
Fachanwalt für Medizinrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Maistraße 37
80337 München

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Eigene Bewertung abgeben:
Bisher abgegebene Bewertungen:
0.0 / 5 (0 Bewertungen)
Das könnte Sie interessieren
Medizinrecht , 06.03.2018 (Update 09.12.2019)
Umfang der Aufklärungspflicht eines Arztes gegenüber dem Patienten © topopt
Vor Operationen und Behandlungen müssen Patienten vom behandelnden Arzt über die Risiken des Eingriffs aufgeklärt werden. Je nach Eingriff kann hier auch eine besondere Aufklärung notwendig sein. Unterlässt ein Arzt eine Aufklärung über besondere Risiken bei einer Chemo-Therapie, muss er gegenüber dem Patienten Schadensersatz leisten, entschied das Oberlandesgericht Köln.
3.0 / 5 (2 Bewertungen)
Rechtsanwalt Siegfried Reulein KSR Rechtsanwaltskanzlei
Eine bemerkenswerte Entscheidung hat der Bundesgerichtshof am 03.06.2014 – XI ZR 147/12 – getroffen. Wieder einmal hatte der BGH sich mit der Frage zu beschäftigen, inwieweit Banken zur Aufklärung über vereinnahmte Provisionen verpflichtet sind.
5.0 / 5 (2 Bewertungen)
Medizinrecht , 16.07.2015 (Update 05.02.2020)
Behandlungsfehler – Wann haftet der Arzt? © topopt
Rund 2.300 Behandlungsfehler verursachten Ärzte einer aktuellen Statistik zur Folge im vergangenen Jahr in Deutschland. In vielen Fällen müssen letztlich Gerichte entscheiden, ob eine Arzthaftung in Frage kommt. Das Landgericht Gießen hat jüngst einem Patienten rund 800.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, weil aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung während einer Operation eine Schädigung seines Gehirns verursacht wurde.
4.0 / 5 (1 Bewertungen)
Medizinrecht , 25.04.2017
Bei der Eröffnung einer Arztpraxis ist die Wahl der geeigneten Rechtsform im Hinblick auf steuerliche und haftungsrechtliche Konsequenzen wichtig. Die Rechtsform der Ärzte-GmbH ist nicht in allen Bundesländern erlaubt. Nach einer aktuellen Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz können sich in Rheinland-Pfalz nun auch Ärzte in einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammenschließen.
4.7 / 5 (3 Bewertungen)
Rechtsanwalt Frank Remmertz REMMERTZ SON
Rechtsanwälte
Der BGH hat sich in zwei Entscheidungen mit der Frage befasst, ob Betroffene negativer Bewertungen in Online-Portalen Ansprüche auf Auskunft oder Löschung gegen den Portalbetreiber geltend machen können. In beiden Fällen geht es um die Bewertung von Ärzten. Der BGH stärkt die Stellung der Portabetreiber und Informationsfreiheit zu Lasten der betroffenen Ärzte und des Persönlichkeitsschutzes.
Medizinrecht , 03.04.2018 (Update 03.04.2018)
Rechtsanwalt Christoph Kleinherne Dollinger Partnerschaft Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
Wenn es nach der jeweiligen Sachlage „medizinisch zweifelsfrei geboten“ gewesen wäre, weitere Befunde einzuholen und der Arzt dies unterlässt, ist ihm ein Befunderhebungsfehler anzulasten.
4.5 / 5 (4 Bewertungen)
Medizinrecht , 08.07.2016
Ein Arzt darf nicht dem Wunsch eines Patienten auf eine Behandlung entsprechen, wenn diese gegen medizinische Standards verstößt. Auch dann nicht, wenn der Arzt den Patienten vor der Behandlung ausführlich über die Behandlungsfolgen aufgeklärt hat, entschied aktuell das Oberlandesgericht Hamm.
4.0 / 5 (1 Bewertungen)
Strafrecht , 16.03.2017 (Update 12.07.2019)
Wann ist Sterbehilfe nicht strafbar? © topopt
Ob Hilfe zur schmerzlosen Selbsttötung oder „Sterben lassen“ – die Grenze zur aktiven und damit in Deutschland strafbaren Sterbehilfe ist oft nicht ganz klar. Der Bundesgerichtshof hat aktuell zwei Ärzte freigesprochen, die Patienten bei deren Selbsttötungsverlangen unterstützt und auf Rettung verzichtet haben.
Familienrecht , 16.07.2012
Rechtsanwalt Anton Bernhard Hilbert Kanzlei Hilbert & Simon
Bei vorehelichen Schenkungen hatte der überlebende Ehegatte bisher keine Ansprüche auf eine Pflichtteilsergänzung. So hatte der Bundesgerichtshof in jahrzehntelanger Rechtsprechung entschieden. Jetzt hat das höchste deutsche Zivilgericht diese Rechtsprechung aufgegeben. Die Folgen können fatal sein: Streit zwischen Kindern und Stiefmutter.
Miet- und Wohnungseigentumsrecht , 15.10.2015 (Update 03.03.2020)
Wohnungseigentum: Rechte und Pflichten © topopt
Eigentümerbeschlüsse, Hausverwaltung, Instandhaltung – Wohnungseigentümer werden mit vielen Rechtsfragen konfrontiert. Das Landgericht Koblenz hat aktuell entschieden, dass eine zu Wohnzwecken vermietete Wohnung in einer Wohnungseigentümergemeinschaft nicht als Kindertagespflegestelle genutzt werden darf.
3.0 / 5 (4 Bewertungen)
Für 9 Euro nach Budapest oder für 20 Euro nach London - Fluggesellschaften locken ihre Kunden mit unglaublichen Preisen. Beim Buchungsvorgang kommen dann aber zum angegebenen Flugpreis oft weitere Gebühren und Zuschläge dazu, so dass es sich bei dem Angebot nur um ein vermeintliches Schnäppchen handelt. Der Bundesgerichtshof hat sich jüngst mit der Darstellung der Preis bei Online-Flugbuchungen beschäftigt.
Suchen in Rechsbeiträgen
Kanzlei
Dollinger Partnerschaft Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
Anschrift
Maistraße 37
80337 München
089 / 599 43 83 - 0
089 / 599 43 83 - 10
Anwaltstermin planen
Kontaktformular / Rückruf
Unser Rückruf ist kostenlos und völlig unverbindlich.
E-Mail/Internet
kleinherne@kanzlei-dollinger.de

Kontakt
drucken

Visitenkarte
(VCF)

Visitenkarte
(QR-Code)

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung