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Kindergeld: Wann ist die Ausbildung des Kindes beendet?

Kindergeld: Wann ist die Ausbildung des Kindes beendet? © mko - topopt
Ein Kindergeldanspruch besteht bis zum 25. Lebensjahr, wenn sich das Kind in der Erstausbildung befindet. Wann das tatsächliche Ende einer Ausbildung im Sinne des Kindergeldrechts erreicht ist, muss häufig von den Gerichten entschieden werden.

Kindergeld bis zum Erreichen des angestrebten Berufsziels

Der Anspruch auf Kindergeld fällt nicht weg, wenn ein Kind vor seinem 25. Lebensjahr einen berufsqualifizierenden Abschluss erlangt hat, sondern erst dann, wenn es sein angestrebtes Berufsiel erreicht hat. Dies entschied das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 5 K 2388/15). Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Kind den Ausbildungsberuf „Immobilienkauffrau“ vor seinem 25. Lebensjahr erlangt, wollte aber letztlich „geprüfte Immobilienfachwirtin“ werden. Um diesen Lehrgang absolvieren zu können, war die abgeschlossene Ausbildung zur Immobilienkauffrau Voraussetzung. Die Kindergeldkasse lehnte eine Zahlung von Kindergeld nach dem Abschluss des Ausbildungsberufes ab. Zu Unrecht, so das Finanzgericht Rheinland-Pfalz. Die Erstausbildung des Kindes ende erst mit dem Ausbildungsende zur geprüften Immobilienfachwirtin. Es gebe viele Ausbildungsgänge, die aus mehreren Ausbildungbestandteilen bestünden. Sind die Ausbildungsbestandteile inhaltlich und zeitlich aufeinander bezogen, ist erst nach dem kompletten Ausbildungsgang die Erstausbildung eines Kindes beendet. Daher müsse die Kindergeldkasse bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld zahlen.

Ausbildung endet nicht mit Bekanntgabe der Abschlussprüfungsergebnisse

Das Ausbildungsende im Kindergeldrecht ist nicht mit der Bekanntgabe der Ergebnisse der Abschlussprüfung erreicht, sondern erst mit dem Ablauf der festgelegten Ausbildungszeit. Dies entschied in einem aktuellen Urteil der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen III R 19/16 ). Im zugrundeliegenden Fall war einer Auszubildenden einen Monat bevor ihr Ausbildungsvertrag endete, die Ergebnisse der Abschlussprüfung mitgeteilt worden. Die Familienkasse sah die Berufsausbildung der jungen Frau in dem Monat als beendet an, in dem sie die Abschlussergebnisse erfahren hatte, und lehnte eine weitere Zahlung von Kindergeld ab. Zu Unrecht, entschied der Bundesfinanzhof. Das Ausbildungsende sei im vorliegenden Fall gesetzlich bestimmt gewesen. Daher sei es für den Anspruch auf Kindergeld unerheblich, wann den Auszubildenden die Ergebnisse der Abschlussprüfung mitgeteilt würden.

Studium nach Ausbildung ist keine Erstausbildung

Hat das Kind bereits eine Ausbildung absolviert und fängt dann mit einem Studium an, fällt der Kindergeldanspruch weg. Dies stellte der Bundesfinanzhof in einer aktuellen Entscheidung fest. Im zugrundeliegenden Fall (Aktenzeichen III R 14/15) vor dem Bundesfinanzhof hatte eine junge Frau nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen in einer Klinik mit 30 Wochenstunden gearbeitet. Dann bewarb sie sich für ein berufsbegleitendes Studium an einer Verwaltungshochschule. Die Familienkasse verweigerte den Eltern daraufhin die Zahlung von Kindergeld. Für das Studium der jungen Frau war eine Berufsausbildung zwingende Voraussetzung. Trotzdem urteilte der Bundesfinanzhof das es sich hier um eine Zweitausbildung handelte. Hier liege nicht der Fall vor, dass der erste berufsqualifizierende Abschluss integrativer Bestandteil einer zusammengehörenden Ausbildung sei. Dies gelte etwa bei der Prüfung als Steuerfachangestellte im Rahmen eines dualen Bachelorstudium im Steuerrecht. Ein enger Zusammenhang zwischen der Ausbildung und dem Studium liege dann nicht vor, wenn der zweite Ausbildungsteil eine Berufstätigkeit voraussetze. Dann handele es sich um einen Weiterbildungsstudiengang, der die berufliche Erfahrung berücksichtigt und damit um eine kindergeldschädliche Zweitausbildung, so der Bundesfinanzhof.

Kindergeld auch bei Unterbrechung der Ausbildung wegen Krankheit

Der Anspruch auf Kindergeld fällt nicht weg, wenn ein Kind in der Ausbildung dauerhaft erkrankt, aber nach wie vor ausbildungswillig ist. Dies entschied das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 2 K 2487/16). Eine Auszubildende einer Berufsschule für Mode erkrankte während ihrer Ausbildung. Sie legte der Familienkasse ein ärztliches Attest vor, wonach das Ende ihrer Erkrankung nicht absehbar war. Die Familienkasse stellte daraufhin ihre Zahlungen ein. Zu Unrecht, entschied das Finanzgericht Rheinland-Pfalz. Hier liege nur eine Unterbrechung der Ausbildung vor. Die Auszubildende habe weiterhin die Absicht ihre Berufsausbildung nach ihrer Genesung weiterzubetreiben. Für die Zahlung des Kindesgeldes sei es unerheblich, wie lange die krankheitsbedingte Unterbrechung dauere.

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