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Arbeitsunfall: Wann muss die Unfallkasse zahlen?

Arbeitsunfall: Wann muss die Unfallkasse zahlen? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Unfälle, die im Rahmen einer Beschäftigung oder auf einem Dienstweg geschehen, fallen unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Welche Ereignisse zu einem Arbeitsunfall führen können, ist umstritten. Kinderschrei ins Ohr der Erzieherin oder ein plötzlich auftretender Schmerz im Knie ohne Fremdeinwirkung, führen laut Gericht nicht zu einem Arbeitsunfall.

Arbeitsunfall auch bei wahlweisem Auftreten in einer von zwei Arbeitsschichten

Ein Arbeitsunfall ist auch dann anzunehmen, wenn nicht klar bestimmt werden kann, in welcher, von zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsschichten das schädigende Ereignis eingetreten ist. Dies stellt das Sozialgericht Karlsruhe (Aktenzeichen S 1 U 940/16) in einem aktuellen Urteil fest. Im zugrundeliegenden Fall hatte sich ein Arbeiter einer Automobilherstellers im Rahmen von zwei aufeinanderfolgenden Arbeitsschichten eine Ansatzruptur des kleinen Brustmuskels und der Sehnen und eine Arm-Venen-Thrombose aufgrund der körperlichen Überbelastung zu gezogen. Für das Sozialgericht Karlsruhe ist es für die Anerkennung eines Arbeitsunfalls unerheblich, dass der Eintritt des schädigenden Ereignisses nicht klar kalendermäßig bestimmt werden kann. Maßgeblich sei, dass die Einwirkung an einem bestimmten Tag erfolgt sei.

Arbeitsunfall nur bei Einwirkung von außen

Ein Arbeitsunfall liegt nur dann vor, wenn ein zeitlich begrenztes, von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis zu einem Gesundheitsschaden führt. Dies stellte das Sozialgericht Karlsruhe (Aktenzeichen S 1 U 3506/17) in einem aktuellen Urteil fest. Geklagt hatte ein Kfz-Mechaniker, der beim Ausstieg auf einem Lkw während seiner Arbeitszeit plötzlich einen einschießenden Schmerz in seinem Knie spürte. Der Mann suchte den Durchgangsarzt auf, der aber außer einem Druckschmerz am Knie keinen krankhaften Befund feststellen konnte. Der Kfz-Mechaniker forderte von der Unfallkasse Entschädigungsleistungen, da seiner Ansicht nach ein Arbeitsunfall vorlag. Zu Unrecht, entschied das Karlsruher Sozialgericht. Ein Arbeitsunfall setze ein Ereignis von außen voraus, dass beim Arbeitnehmer zu einem Gesundheitsschaden führe. Hier sei aber die Eigenbewegung des Arbeitnehmers nicht beeinträchtigt gewesen und es habe kein äußeres Geschehen auf seinen Körper eingewirkt. Das Aussteigen aus dem Lkw sei eine vom Arbeitnehmer selbst gesteuerte Eigenbewegung gewesen. Ein Arbeitsunfall scheide daher aus.

Menschliche Schreie rufen keinen Tinnitus hervor

Erzieherinnen sind im Kindergarten einer ständigen Geräuschkulisse ausgesetzt. Dauerhafte Hörstörungen oder Ohrgeräusche können aber nicht durch den Schrei eines Kindes ins Ohr der Erzieherin hervorgerufen werden. Der Kinderschrei ins Ohr der Erzieherin begründet daher auch keinen Arbeitsunfall, entschied kürzlich das Sozialgericht Dortmund. Das Sozialgericht Dortmund (Aktenzeichen S 17 U 1041/16) wies die Klage einer Erzieherin gegen die gesetzliche Unfallversicherung auf Kostenübernahme eines Tinnitusmaskers ab. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen könnten menschliche Schreie nur vorübergehende Hörbeeinträchtigungen hervorrufen. Ein Tinnitus oder andere dauerhafte Hörschäden könnten nicht durch den Schrei eines Menschen ausgelöst werden, so das Dortmunder Sozialgericht.

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