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Arbeitsunfall: Wann muss die Unfallkasse für Sportunfälle zahlen?

Arbeitsunfall: Wann muss die Unfallkasse für Sportunfälle zahlen? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Unfälle, die im Rahmen von betrieblichen Sportveranstaltungen geschehen, können unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehen und müssen von dieser dann auch entsprechend als Arbeitsunfall entschädigt werden.

Sturz beim Volleyball-Turnier – Arbeitsunfall?

Eine Lehrerin stürzte bei einem Volleyball-Turnier, das vom Förderverein der Schule organisiert wurde, und zog sich dabei eine Verletzung am Knie zu. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte den Versicherungsschutz ab, da der Unfall kein Arbeitsunfall sei. So sah das auch das Sozialgericht Dresden (Aktenzeichen S 39 U 89/15). Das Volleyball-Turnier sei weder eine Schulveranstaltung noch eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung gewesen. Es habe sich um eine Veranstaltung des Schulfördervereins gehandelt, zu der vorwiegend ehemalige Schüler und Eltern eingeladen worden waren. Die Lehrerschaft nahm überwiegend nicht an dem Volleyball-Turnier teil, womit eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung ausscheide.

Unfall beim Basketball-Spiel – Arbeitsunfall?

Der Unfall eines Studenten an der Westfälische Wilhelms-Universität Münster bei einem Basketballspiel im Rahmen eines Nikolausturniers ist als Arbeitsunfall zu entschädigen, entschied das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (Aktenzeichen L 17 U 182/13). Die Teilnahme an einer Sportveranstaltung einer Universität erfülle unter anderem ihren Bildungsauftrag und damit auch dem Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Sturz beim Bowling-Turnier – Arbeitsunfall?

Stürzt ein Arbeitnehmer im Rahmen seiner Dienstreise bei einem vom Arbeitgeber ausgerichteten Bowling-Turniers kann dieser Unfall als Arbeitsunfall anerkannt werden. Dies entschied aktuell das Sozialgericht Aachen (Aktenzeichen S 6 U 135/16). Ein Arbeitnehmer war bei einem betrieblichen Bowling-Turniers während einer obligatorischen Fortbildungsmaßnahme seines Arbeitgebers gestürzt und hatte sich seine Schulter ausgerenkt. Er verlangte von der Berufsgenossenschaft diesen Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen. Zu Recht, entschied das Sozialgericht Aachen. Der Arbeitnehmer habe der Fortbildungsmaßnahme seines Arbeitsgebers verpflichtend teilgenommen. Das Bowling-Turnier stellte als Teamfördernde Maßnahme ein Teil der Fortbildungsmaßnahme dar. Es bestand somit ein betrieblicher Zusammenhang zwischen dem Bowling-Turnier und dem Unfall.

Sportverletzung in einem Hochschulzentrum- kein Fall für die Unfallkasse!

Bei einem Rugby-Spiel, das von einem Uni-Sportverein ausgetragen wurde, erlitt ein immatrikulierter Spieler eine erhebliche Schulterverletzung. Die Unfallkasse lehnte die Anerkennung als Arbeitsunfalls ab, weil es sich bei dieser Sportveranstaltung um einen Wettkampfsport außerhalb des Übungsbetriebs gehandelt habe. Wenn keine offizielle Hochschulveranstaltung vorliege, bestehe kein Versicherungsschutz. So sah das auch das Bayerische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 2 U 108/14) und begründete seine Entscheidung wie folgt: Ein Arbeitsunfall liege nur dann vor, wenn der Wettkampf von der Universität organisiert und durchgeführt wird. Außerdem hätten an diesem Wettkampf auch Nicht-Studenten teilnehmen können.

Tödlicher Speerwurf- kein Arbeitsunfall!

Die Witwe eines Speerwurfkampfrichters, der bei einem Leichtathletikwettkampf tödlich verunglückte, erhält keine Leistungen von der Unfallkasse. Das Sozialgericht Düsseldorf (Aktenzeichen S 1 U 163/13) sah in diesem tödlichen Speerwurf keinen Arbeitsunfall. Der Mann, der als ehrenamtlicher Kampfrichter tätig war, sei kein abhängig Beschäftigter gewesen und auch nicht einem abhängig Beschäftigen gleich zustellen. Auch sei er kein freiwillig in der gesetzlichen Unfallversicherung Versicherter gewesen. Diese Unglück falle somit nicht in den Schutzbereich der gesetzlichen Unfallkasse.

Ex-Bundesligaprofi bricht sich bei Benefizspiel das Bein- kein Arbeitsunfall!

Ein Beinbruch eines Ex-Bundesliga-Fußballprofi bei einem Benefizspiel ist kein Fall für die gesetzliche Unfallversicherung, da es sich hier nicht um eine unfallversicherte Tätigkeit handelt, entschied das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 247/16). Der Ex-Bundesliga-Spieler betreibe mittlerweile ein Marketingunternehmen und nur Tätigkeiten, die im Zusammenhang mit diesem Unternehmen stünden, seien unfallversichert. Da Fußballspielen kein Marketing sei, falle es auch nicht unter den Versicherungsschutz, entschieden die hessischen Richter.

Redaktion fachanwaltsuche.de

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