Logo Fachanwaltssuche
Von Experten beraten.
Rechtsgebiet z.B. Arbeitsrecht
Ortz.B. Köln, 50968

Wann ist ein Stadionverbot für Fussballfans zulässig?

Wann ist ein Stadionverbot für Fussballfans zulässig? © CC0 - Daniel Nanescu - splitshire.com
Fußballvereine dürfen aufgrund ihres Hausrechtes einem Fußballfan ein bundesweites Stadionverbote erteilen, wenn die Gefahr besteht, dass der Fan Fußballspielen rechtswidrig beeinträchtigt. Aber ist auch ein Stadionverbot als Präventivmaßnahme erlaubt? Und wann ist ein Betretungsverbot rund um das Stadion zulässig?

Stadionverbot als Präventivmaßnahme

Ein Fußballfan darf mit einem bundesweiten Stadionverbot belegt werden. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main in folgendem Fall: Der Dachverband der deutschen Fußballvereine hatte einigen Mitgliedern der sogenannten Ultras bundesweite Stadionverbote erteilt, nachdem es im Vorfeld zu einem Bundesligaspiel zu unfriedlichen Aktionen gekommen war. Nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch einstellte, hob der Dachverband die Stadionverbote wieder auf. Die betroffenen Ultras verlangten daraufhin Schadensersatz für den entgangenen Genuss der verbotenen Fußballspiele, weil die Stadionverbote ihrer Ansicht nach unzulässig waren. Ohne Erfolg, entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main. Die Ultras seien durch die verhängten Stadionverbote nicht so massiv in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt worden, als dass ihnen ein Anspruch auf eine Geldentschädigung zu stehe. Der Dachverband durfte als Hausherr der Fußballveranstaltung solche Verbote aussprechen, wenn sie sachlich begründet waren. Für eine sachliche Begründung eines bundesweiten Stadionverbot reiche es aus, wenn die Gefahr bestehe, dass die Fußballfans rechtswidrig das Fußballspiel beeinträchtigen. Insoweit seien Stadionverbote präventive Maßnahmen, um ein Fußballspiel sicher durchführen zu können.

Stadionverbot nur auf Tatsachengrundlage

Ein Stadionverbot ist nur dann wirksam, wenn eine hinreichende Tatsachengrundlage besteht, die künftige Störungen erwarten lässt. Dies entschied das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 30 C 3466/17 (71)) im Fall eines Fußballfans, der mit anderen zusammen zwei Tage vor einem Fußballspiel eine Nacht lang in polizeilichen Gewahrsam genommen und dem daraufhin ein Stadionverbot erteilt wurde. Der Mann war vorher polizeilich nicht in Erscheinung getreten und in seinem Auto wurden auch keine gefährlichen Gegenstände gefunden. Das Stadionverbot sei unwirksam, entschied das Gericht, weil ein Einzelner nicht ohne sachlichen Grund vom Fußballspiel ausgeschlossen werden dürfe. Für das Stadionverbot gebe es keinen sachlichen Grund, da kein rechtswidriges Handeln oder eine Straftat vom Betroffenen begangen worden sind. Auch das Amtsgericht München Aktenzeichen 242 C 31003/13) stellt in einer Entscheidung klar, dass für ein bundesweites Stadionverbot nicht jedes auffällige Verhalten ausreicht. Grundsätzlich sei zwar ein Verein berechtigt, ein bundesweites Stadionverbot aufgrund des eigenen Hausrechts und des Hausrechts der übrigen Vereine der Fußballbundes- und Regionalligen zu verhängen. Diese Befugnis unterliege jedoch Beschränkungen. Ein Fan, der während eines Fußballspiels aggressiv, aber nicht gewalttätig in Erscheinung tritt, darf nicht sofort mit einem bundesweiten Stadionverbot bestraft werden.

Betretungsverbot rund um das Stadion rechtmäßig!

Wenn es in der Vergangenheit mehrere sicherheitsrelevante Vorfälle zwischen den Fans zweier Fußballvereine gegeben hat, stellt dies eine Gefahrenlage dar, die ein Betretungsverbot gegenüber den betroffenen Fans rund um das Stadion rechtfertigt. Dies entschied das Verwaltungsgericht Ansbach (Aktenzeichen AN 15 S 19.02270) und stellte klar, dass diese sicherheitsrelevante Maßnahme im zeitlichen und räumlichen Umfang aufgrund der Gefahrenprognose gerechtfertigt ist.

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Eigene Bewertung abgeben:
Bisher abgegebene Bewertungen:
4.0 / 5 (4 Bewertungen)
Das könnte Sie interessieren
Strafrecht , 25.10.2017
Gewaltbereite Fußballfans müssen für die Transportkosten und die Kosten für die Ingewahrsamnahme in einer Polizei-Zelle aufkommen, entschied jüngst das Verwaltungsgericht Hannover.
Strafrecht , 10.05.2016
Ein Fußballfan wurde kürzlich vom Amtsgericht München vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei gesprochen, weil Videosequenzen der Stadionkamera zeigten, dass von ihm kein aggressives Verhalten ausging.
Wissen Aktuell , 21.06.2018
Aus unterschiedlichsten Gründen kann es passieren, dass Tickets für die Fußball-WM in Russland nicht genutzt werden können und der Fußball-Fan sich fragt, ob er diese denn weiterverkaufen darf. Der Veranstalter der diesjährigen Fußball WM FIFA hat zum Ticket-Kauf und –Weiterverkauf Regeln festgelegt.
Arbeitsrecht , 23.07.2012
Rechtsanwalt Rechtsanwälte Bender & Ruppel Rechtsanwälte Bender & Ruppel
Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Dieser verbietet es "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". Bevor der Arbeitgeber zu dem denkbar einschneidensten arbeitsrechtlichen Mittel der Kündigung greift, muss er demnach zuvor den Arbeitnehmer erfolglos abgemahnt haben. Doch nicht selten sind die Abmahnungen nicht begründet und der Arbeitnehmer fragt sich nach Erhalt, was er dagegen machen kann.
3.5 / 5 (2 Bewertungen)
Medizinrecht , 18.12.2015
Ein Mann, der aufgrund eines gerichtlichen Beschlusses rechtswidrig zwangsweise für zwei Monate in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, erhielt jetzt einen Anspruch auf 25.000 Euro Schmerzensgeld.
4.0 / 5 (1 Bewertungen)
Mobilfunkdienstleister dürfen von ihren Kunden keine Gebühren für die Nichtnutzung eines Handys erheben. Dies entschied aktuell das Oberlandesgericht Schleswig und verurteilte die mobilcom-debitel GmbH zur Zahlung des rechtswidrig erzielten Gewinns von rund 419.000 Euro an den Bundeshalt.
Verwaltungsrecht , 21.09.2017
An den deutschen Stränden der Nord- und Ostsee müssen Tagesgäste zum Teil Eintritt für den Zugang zum Meeresstrand zahlen. Dieser Praxis der Kommunen wurde vom Bundesverwaltungsgericht nun eine Abfuhr erteilt. Eine Gemeinde darf nicht nahezu den gesamten Meeresstrand als kostenpflichtiges Strandbad betreiben.
4.5 / 5 (2 Bewertungen)
Rechtsanwalt Siegfried Reulein KSR Rechtsanwaltskanzlei
Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az.: 23 U 118/14) hat in einem von Rechtsanwalt Siegfried Reulein, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Nürnberg, betreuten Rechtsstreit die Commerzbank AG als Rechtsnachfolgerin der Dresdner Bank AG zum Schadensersatz wegen Verletzung von Beratungspflichten im Zusammenhang mit dem Erwerb von Anteilen an dem geschlossenen Lebensversicherungsfonds „MPC Rendite Fonds Leben-Plus V“ verurteilt.
4.0 / 5 (1 Bewertungen)
Verkehrsrecht , 31.01.2020
Ordnungswidrigkeiten sind ausschließlich vom Staat zu ahnden. Auch der ruhende Verkehr darf nicht von privaten Dienstleistern überwacht werden, entschied aktuell das Oberlandesgericht Frankfurt/Main.
Die Internetplattform Amazon kann von Drittanbietern verlangen, dass diese gekaufte Kundenbewertungen ihrer Produkte kenntlich machen müssen. Dies entschied kürzlich das Oberlandesgericht Frankfurt/Main.
Suchen in Rechsbeiträgen
Teilnehmer
Fachanwalt Moritz Bode
Fachanwalt für Strafrecht
Mittlerer Graben 26
86152 Augsburg
Fachanwältin Undine Weyers
Fachanwältin für Strafrecht
Karl-Marx-Straße 71 (Eingang Fuldastraße 61)
12043 Berlin
Fachanwalt Markus Först
Fachanwalt für Strafrecht
Peter-Klöckner-Straße 5
56073 Koblenz
Fachanwalt Clemens G. Schug
Fachanwalt für Strafrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Marktstraße 5
66333 Völklingen
Fachanwalt Hilmar Lampert
Fachanwalt für Strafrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Rathenaustraße 7
95444 Bayreuth
Fachanwalt Dr. Peter Auffermann
Fachanwalt für Strafrecht
Friedenstraße 5
97421 Schweinfurt
Fachanwalt Sven Haak
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
Fachanwalt für Strafrecht
Domplatz 30
99084 Erfurt
Fachanwalt Markus Lausmann
Fachanwalt für Strafrecht
Liedmannstraße 29
41460 Neuss
Fachanwalt Philip Leichthammer
Fachanwalt für Strafrecht
Bremer Straße 6
60323 Frankfurt am Main
Fachanwalt Michael Schenk
Fachanwalt für Strafrecht
Akazienweg 20
34117 Kassel
Fachanwalt Dr. Peter Auffermann
Fachanwalt für Strafrecht
Kapuzinerstraße 17
97070 Würzburg
Fachanwalt Anton Pfeffer
Fachanwalt für Strafrecht
Landshuter Allee 49
80637 München
Fachanwalt Jens Gunnar Cordes
Fachanwalt für Strafrecht
Osthellenweg 27/29
44135 Dortmund
Fachanwalt Sebastian Windisch
Fachanwalt für Familienrecht
Fachanwalt für Strafrecht
Rheinstraße 105
55116 Mainz
Fachanwalt Christian Lange
Fachanwalt für Strafrecht
Feldstraße 60
20357 Hamburg
Fachanwalt Christian J. Wowra
Fachanwalt für Familienrecht
Fachanwalt für Strafrecht
Friedrichstraße 134
10117 Berlin