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Jobsuche: Tattoos, Piercings und Co ein no-go?

Jobsuche: Tattoos, Piercings und Co ein no-go? © fpr - topopt
Bei der Jobsuche schauen die zukünftigen Arbeitgeber in der Regel auch auf das äußere Erscheinungsbild des Bewerbers. Tattoos und Piercings können da schnell zu einer Benachteilung gegenüber anderen Bewerbern führen. Mit diesem Umstand haben sich auch die deutschen Gerichte befasst.

Einstellungshindernis: Motiv des Tattoos entscheidend?

Ein Bewerber für den Zentralen Objektschutz der Berliner Polizei wurde aufgrund seines Tattoos abgelehnt. Das Tattoo zeigte die Göttin Diana mit entblößten Brüsten und befand sich auf dem Unterarm des Bewerbers. Das Arbeitsgericht Berlin (Aktenzeichen 58 Ga 4429/18) bestätigte die Ablehnung des Bewerbers für den Polizeidienst. Das Motiv des Tattoos könnten Bürger sexistisch wahrnehmen und sich entsprechend belästigt fühlen. Dies sei einem neutralen Auftreten der Polizei in der Öffentlichkeit nicht zuträglich, so die Berliner Arbeitsrichter.

Einstellungshindernis: Größe des Tattoos maßgeblich?

Das Berliner Verwaltungsgericht (Aktenzeichen VG 36 L 83.15) hat in einer Entscheidung klargestellt, dass ein kleines Tattoo am Handgelenk einer Bewerbung zur Ausbildung als Justizhauptwachtmeisterin im Land Berlin nicht widerspricht. Das Land Berlin darf die tätowierte Bewerberin aus diesem Grund nicht ablehnen. Tattoos wären längst in allen Gesellschaftsschichten akzeptiert. Im zugrundeliegenden Fall sei aufgrund der kleinen Tätowierung eines heulenden Wolfs am inneren rechten Unterarm bei der Bewerberin nicht auf eine fehlende Berufseignung zu schließen. Die Tätowierung sei kein Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen oder politischen Haltung. Es handle sich hier etwa nicht um ein Symbol des Rechtsextremismus. Dienstherren dürften an das Aussehen ihrer Beamten Anforderungen stellen. Das Verbot eines Tattoos müsse dann aber nachvollziehbar begründet werden. Im Fall einer Polizeidienstanwärterin, die an ihrem Unterarm eine großflächige Tätowierung vornehmen ließ, entschied der Hessische Verwaltungsgerichtshof (Aktenzeichen 1 B 1006/14), dass dies ein Einstellungshindernis sei. Die Dienstbehörde dürfe im Sinne eines Erlasses des Bundesinnenministeriums zum Erscheinungsbild der Polizeikräfte der Bundespolizei die Einstellung der Polizeidienstanwärterin ablehnen. Allein die Größe eines Tattoos ist kein Einstellungshindernis für den Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen. Dies entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 2 L 3279/17) und verpflichtete das Land NRW zwei Bewerber für den gehobenen Polizeidienst zu zulassen. Ein Bewerber war zuvor abgelehnt worden, weil er einen 20 x 14 cm großen Löwenkopf auf seinem Unterarm tätowiert hatte. Das Motiv war nicht das Problem, sondern die Größe des Tattoos, welches beim Tragen der Sommeruniform sichtbar werde, entschied die zuständige Behörde. Das Gericht stellte nun klar, dass ein Bewerber nicht allein aufgrund einer großflächigen Tätowierung für den Polizeidienst ungeeignet sei. In der Bevölkerung seien Tätowierungen mittlerweile akzeptiert. Diesen gesellschaftlichen Wandel müsse auch die Behörde bei einem Bewerbungsverfahren Rechnung tragen.

Arbeitgeber darf Verdecken des Tattoos fordern!

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 2 A 10254/05.OVG) entschied, dass ein Justizvollzugsbeamter während des Dienstes seine Uniform so tragen muss, dass seine Unterarmtätowierungen verdeckt sind. Das Gericht begründete seine Entscheidung wie folgt: Ein einheitliches und neutrales Auftreten der Justizvollzugsbeamten sei durch das Tragen einer Uniform beabsichtigt. Eine Tätowierung stehe diesem Uniformzweck entgegen. Außerdem sehe das Tattoo des Justizvollzugsbeamten so aus wie die Tattoos der Strafgefangenen, was zu einem Autoritätsverlust führen könne.

Tipp der Redaktion

Kleidung und Körperschmuck sind grundsätzlich die Privatsache des Arbeitnehmers. Ausnahmen davon sind nur, wenn Berufskleidung vorgeschrieben ist, wie etwa im Service eines Restaurants oder wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen im Außenkontakt repräsentiert. Bewerber sollten bei der Jobsuche ihr äußeres Erscheinungsbild also im Hinblick auf den Job für den sie sich bewerben überprüfen. Im Zweifel lieber das Piercing rausnehmen und das Tattoo verdecken.

ruegge

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